Hoher Workload ist für Führungskräfte an der Tagesordnung, doch zusätzliche Belastungen wie die aktuelle Weltpolitik oder private Herausforderungen können selbst die Besten an den Anschlag bringen. Wenn Sie sich um Ihre Führungskräfte Sorgen machen, können Sie diese unterstützen bezüglich gesunder Selbstführung. Denn nur wer sich selbst auch unter Druck klar, wirksam und menschlich führen kann, kann auch andere glaubwürdig führen und gut entscheiden. Wer sich selbst unter Druck nicht regulieren kann, führt andere häufig über Kontrolle, Ungeduld oder Rückzug. Diese Muster wirken sich direkt auf das Teamklima, die Entscheidungsqualität und Produktivität aus.
Gesunde Selbstführung beschreibt die Fähigkeit, das eigene Erleben wahrzunehmen, zu regulieren und verantwortlich zu steuern. Sie bildet eine wichtige Grundlage für Resilienz, tragfähige Entscheidungen und glaubwürdige Vorbildwirkung. In komplexen Systemen entscheidet weniger das Fachwissen als vielmehr die innere Klarheit über die Qualität von Führung.
Was beinhaltet die gesunde Selbstführung?
Innere Klarheit und Selbstwahrnehmung
Wer die eigenen Stressmuster, Emotionen und Antreiber erkennt, kann bewusst wahrnehmen, wann Leistung droht in Überforderung zu kippen und kann rechtzeitig gegensteuern. Es geht darum, wahrzunehmen: "Was ist gerade mit mir los und wie beeinflusst das meine Führung?" Diese Perspektive schafft Handlungsspielraum und ermöglicht es, Überforderungen zu bemerken, bevor sie in Erschöpfung oder Fehlentscheidungen mündet.
Praxistipp: Planen Sie zweimal täglich ein festes Check-in von ca. 60 Sekunden ein und beantworten Sie innerlich drei Fragen: Wie ist gerade mein körperlicher Zustand? Welche Emotionen dominieren gerade? Was sind meine aktuellen inneren Antreiber? Diese kurze Selbstabfrage erhöht die Wahrnehmung eigener Stresssignale und verhindert automatisiertes Reagieren.
Emotionale Selbstregulation
Emotionale Selbstregulation beschreibt die Fähigkeit, auch bei hoher Aktivierung handlungsfähig zu bleiben. Es ist immer besser, nicht aus Ärger, Angst oder Erschöpfung zu entscheiden und präsent zu sein, ohne sich zu verhärten. Das gibt Ruhe ins Team und vermittelt den Mitarbeitenden Sicherheit. Ruhe in der Führung reduziert nachweislich die "emotionale Ansteckung" im umliegenden System.
Praxistipp: Verzögern Sie Entscheidungen unter hoher Aktivierung bewusst um fünf Minuten und regulieren Sie in dieser Zeit die Atmung mit einem Rhythmus von z.B. vier Sekunden Einatmen und sechs Sekunden Ausatmen. Diese Atemfrequenz senkt die sympathische Aktivierung und verbessert die kognitive Kontrolle.
Energie- und Selbstmanagement
Wie kann die eigene Energie als Führungsressource eingesetzt werden? Wer sowohl Fokus als auch Pausen und Regeneration bewusst gestaltet und Verantwortung gut verteilt, kann seine Leistungsfähigkeit ohne Erschöpfung nachhaltig aufrechterhalten. Nachhaltige Leistung entsteht nicht durch permanente Verfügbarkeit, sondern durch eigens regulierte und gesteuerte Belastung.
Praxistipp: Definieren Sie pro Arbeitstag maximal drei prioritäre Aufgaben, die vor 14.00 Uhr abgeschlossen werden. Diese Begrenzung reduziert Entscheidungserschöpfung und schützt die mentale Energie für Führungsaufgaben mit hoher Verantwortung
Gesunde Abgrenzung und Verantwortung
Wer "Nein" sagen kann - nach aussen und nach innen - kann Verantwortung übernehmen, ohne sich selbst zu überfordern. Dazu gehört auch, Erwartungen zu klären und nicht zu erraten. Klare Kommunikation verhindert verdeckten Druck und Konfliktpotenzial. Führung wird dadurch berechenbarer und verlässlicher.
Praxistipp: Ersetzen Sie implizite Erwartungen konsequent durch explizite Vereinbarungen, indem Sie am Ende jedes relevanten Gesprächs eine Zusammenfassung in einem Satz formulieren. Diese Technik senkt Missverständnisse und reduziert verdeckten Druck im Team.
Selbstmitgefühl und Learner-Mindset
Fehler passieren allen und können nicht immer vermieden werden. Sie können aber als Lernimpuls verstanden werden. Das ist die Basis einer lernenden Organisation, die sich ständig verändernden Umständen rechtzeitig anpassen kann. Hierfür sollten Führungspersonen sich selbst nicht härter führen als andere. Auch sie dürfen sich entwickeln. Wachstum, innere Stabilität und authentische Stärke sind wirkungsvoller als Selbstoptimierung.
Praxistipp: Beenden Sie jede Arbeitswoche mit einer schriftlichen Notiz zu einer gelungenen Entscheidung und einer bewussten Lernchance. Diese Reflexionsroutine stärkt die Fehlerverarbeitung und fördert eine stabile, entwicklungsorientierte Haltung.
Programme wie jenes von OREA Health setzen an diesen Stellschrauben an, indem sie Selbstführung nicht nur als theoretisches Konzept ansehen. Vielmehr wird die Selbstführung als erlern- und erfahrbare Kompetenz eines jeden Individuums verstanden. Der Fokus liegt dabei auf alltagstauglichen Strategien, die Selbststeuerung, Stressmanagement und Regeneration konkret unterstützen. Entscheidend bleibt jedoch die individuelle Bereitschaft zur ehrlichen Selbstreflexion und der Etablierung gesunder Gewohnheiten in den Alltag.
Christina Bellin
Gruppenreferentin Stress- & Selbstmanagement
OREA Health AG
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